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Die Grenzen verlaufen zwischen oben und unten

Wir freuen uns hier einige der wenigen existierenden Fotos veröffentlichen zu können, die eines der auffallendsten Transparente der Stuttgarter FAU zeigen. Das Transpi ist heute leider verschollen. Es wurde bis in das Jahr 1993 auf Demonstrationen mitgeführt und zeigte deutlich das hier die Anarcho-Syndikalist:innen kommen. Die Fotos wurden vor Gründung der Stuttgarter ASJ aufgenommen. Sie zeigen die antifaschistische Demonstration am 22. April 1989 in Waiblingen. Diese richtete sich gegen den Druck der rechtsextremen Zeitungen der DVU (National-Zeitung, Deutsche Wochenzeitung, Deutscher Anzeiger) im dortigen Druckhaus. An der Demonstration beteiligten sich mehrere 1000 Personen. Durch den öffentlichen Druck und die solidarische Aktion der Arbeiter:innen der Druckerei wurde die Herstellung der rassistischen Blätter schließlich beendet.

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Wie es Anfing – Vor 33 Jahren gründete sich in Stuttgart die ASJ

Wir befinden uns im Jahr 1990 und der Mittelpunkt der Handlungen ist Stuttgart, die reiche Landeshauptstadt des reichen Bundeslandes Baden-Württemberg. Neben dem hellen Schein von großem Geld und in den Himmel ragenden, seelenlosen Prunkbauten gibt es das Leben und die Aktivität derer, die nicht gewillt sind, sich den herrschenden Zuständen von Ausbeutung und Verwertung auszuliefern. Diejenigen die die Würde und das Selbstbestimmungsrecht des Menschen höher setzen als den Profit der Schlipsträger und Industriellen. Die Nazis und Rassisten hassen und dem Kampf gegen diese nicht ausweichen sondern ihn suchen. Die als Ziel eine freie, menschliche Gesellschaft ohne Armut und Unterdrückung erkämpfen wollen. Die Solidarität leben und sich gegenseitig unterstützen. Und die mehrheitlich aus Arbeiter:innenfamilien kommen. Über diese Menschen und ihre Aktivitäten berichtet dieses Buch. Es handelt von den Jugendlichen, die die Anarcho-Syndikalistische Jugend bildeten. Und die zu einem aktiven Faktor in der Stadt und dem Großraum Stuttgart wurden.

I

Es ist früher Nachmittag an diesem sonnigen Freitag im Mai 1990. Im Zimmer einer kleinen Wohnung in der Kniebissstrasse im Stuttgarter Osten sitzen fünf Jugendliche auf durchgesessenen Polstersesseln und einem Bett. Auf dem hölzernen Tisch in der Zimmermitte steht ein überfüllter Aschenbecher neben halbleeren Cola- und Saftflaschen und niedergebrannten Kerzenstummeln. Die hölzernen Fensterläden sind zugeklappt, um die Temperatur erträglich zu halten. Denn im Sommer verschwindet die Stadt unter einer Dunstglocke. An den Zimmerwänden hängen Poster von Punkbands neben Ankündigungsplakaten von Demonstrationen. Ein kleines Buchregal befindet sich direkt über dem schmalen Bett. Es beherbergt neben Büchern über die Punk-Bewegung auch Schriften anarchistischer Autoren. Gegenüber, neben dem Fenster, steht die Musikanlage, eingerahmt von leeren Bierflaschen auf einer kleinen, mit Aufklebern zugekleisterten Holzkommode. Die Kassette spielt Arbeiterlieder. Im Moment die „Arbeiter von Wien“ – Gesungen von „Hein und Os“. Vor dem Fenster sitzt Alex im Sessel. Zigarette im Mund. Gerade dabei, die Blubber neu zu stopfen. Es ist sein Zimmer. Wie alle der Anwesenden ist er um die 17. Er trägt eine schwarze Lederhose und ein verwaschenes T-Shirt mit durchgestrichenem Hakenkreuz. Heute ist der Iro nicht aufgestellt. Die dunkelrot gefärbten Haare hängen zur Seite ins Gesicht, das einige Narben aufweist.

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Krieg dem Krieg – gegen den Golfkrieg

Der Beginn des 2. Golfkrieges am 17. Januar 1991 brachte in Stuttgart 10.000nde Menschen auf die Straße. SchülerInnen traten in den Streik und hunderte Menschen blockierten die Straßen, um den Verkehr zum erliegen zu bringen und somit denn kapitalistischen Alltag zu unterbrechen. Demonstrationen waren nahezu alltäglich. Genauso wie das brutale Vorgehen der Polizei gegen Kriegsgegner:innen. Nicht nur auf den Demonstrationen, sondern auch bei Blockadeaktionen vor den Werkstoren des Rüstungsproduzenten Daimler-Benz und der militärischen Schaltzentrale in Stuttgart-Vaihingen, dem EUCOM.

In anderen Ländern kam es zu Streiks der Arbeiterinnen und Arbeiter. In Deutschland machte sich die Schwäche des Klassenbewusstseins ebenso bemerkbar, wie die Dominanz der reformistischen Pseudo-Gewerkschaften im DGB, die außer leeren Worten und Reden – in denen sie die Worte „Streik“ und „Unterstützung der Deserteure“ so mieden, wie der Teufel das Weihwasser, alles daran setzten, eine wirkungsvolle Anti-Kriegsbewegung, die den Kapitalismus und die Kapitalist:innen als die Profiteure des Krieges deutlich benannten, zu verhindern.

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Die Anarcho-Syndikalistische Jugend in Stuttgart 1990-1993

Von 1990 bis 1993 bestand im Großraum Stuttgart die „Anarcho-Syndikalistische Jugend“ (ASJ). Die ASJ war eine unabhängige anarchistisch-syndikalistische Jugendgruppe, stand der Stuttgarter FAU jedoch nahe. Ein Schwerpunkt der Gruppe war militanter Antifaschismus. Darüberhinaus beteiligte sie sich u.a. an Wahlboykottkampagnen, der Vorbereitung und Durchführung revolutionärer 1. Mai Demonstrationen mit einem eigenständigen „anarchistischen Block“, dem Kampf gegen den Golfkrieg, Aktivitäten gegen die Wiedervereinigung sowie der Besetzung des Hauses Schwabstrasse 16b in Stuttgart.

Gründung und Gruppenstärke

Die ASJ wurde als „Syndikalistisch-Anarchistische Jugend“ am 28. Februar 1990 in Schorndorf gegründet. Nachdem sich auch in Stuttgart am 7. Mai 1990 eine solche Jugendgruppe gründete, wurde der Name in „Anarcho-Syndikalistische Jugend“ geändert. Lokale ASJ-Gruppen bestanden in Bietigheim, Ludwigsburg, Schorndorf und Stuttgart. Zur Hochzeit der Gruppe bestand sie aus 40 fest dazugehörenden.

Aktivitäten

Neben der Auseinandersetzung mit anarchistischer Theorie und Geschichte war die ASJ praktisch orientiert. Insbesondere der Antifaschismus war ein Schwerpunkt der Arbeit der Gruppe. So beteiligten sich ASJ-GenossInnen an militanten Auseinandersetzungen mit Neonazis, ebenso wie an der Ausforschung regionaler Neonazi-Strukturen.

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Unvergessen: Horst Stowasser wäre heute 72 Jahre alt geworden

Wir veröffentlichen den 2009 auf dem ehemaligen Blog erschienen Nachruf auf Horst Stowasser als Erinnerung an sein Leben und Wirken.

(* 7. Januar 1951 † 29. August 2009)

Am Samstag, den 29. August 2009 verstarb im viel zu jungen Alter von 58 Jahren unser Genosse Horst Stowasser. Horst war seit seiner Jugend in der anarchistischen Bewegung aktiv und gehörte zu den profiliertesten Autoren der deutschsprachigen anarchistischen Bewegung. Für viele, besonders jüngere am Anarchismus interessierte, war sein Buch „Leben ohne Chef und Staat“ der Eintritt in die Bewegung. Veranschaulicht es doch im besten Stil verfasst Tradition, Geschichte, Wirken und Wollen der verschiedenen Strömungen im Anarchismus. Keine Überraschung, dass dieses noch immer unbedingt empfehlenswerte Werk bereits 14 Auflagen erfuhr. Horst Stowasser war aber mehr als nur ein erfolgreicher Buchautor. Er publizierte anarchistische Zeitungen und Magazine und war nicht zuletzt ein Propagandist im besten Sinne für gemeinsames Leben und Arbeiten. Zuerst mit dem Projekt A, später dann mit anderen Projekten. Vor wenigen Jahren führte ihn sein Weg auch wieder in die FAU, in deren lokaler Gruppe in Neustadt an der Weinstrasse er aktiv wurde. Mit verschiedenen Archiv-Gründungen hat er weiterhin jahrelang daran mitgewirkt, dass das Wissen, die Spuren, Erfolge, Niederlagen und die Auseinandersetzungen der internationalen anarchistischen Bewegung für Interessierte zugänglich gehalten werden. Eine in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen eingreifende libertäre Bewegung war ihm ein Herzanliegen; wie er nicht nur zuletzt in seinem 2006 erschienen Buch „Anti-Aging für die Anarchie“ anhand der Realität der anarcho-syndikalistischen Bewegung in Barcelona deutlich machte. Mit der spanischsprachigen anarchistischen Bewegung rund um den Globus stand er in stetigem Kontakt, in Argentinien kam er in jungen Jahren zuerst mit den Ideen des Anarchismus in Berührung.

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Es geht weiter

Mit der Einstellung des Betriebs des Anbieters blogsport.de ging 2020 auch das Ende des Blogs zur Geschichte der Anarcho-Syndikalistischen Jugend (ASJ) in Stuttgart zu Beginn der 1990er Jahre einher.

Rund um das 2009 erschienene Buch von Martin Veith „Eine Revolution für die Anarchie“ wurden dort Beiträge zur Geschichte und den Aktivitäten der Gruppe, Fotos, Erinnerungen sowie Informationen zu aktuellen Entwicklungen veröffentlicht. Die meisten der dort veröffentlichten Beiträge sind nach wie vor wichtig und sinnvoll. Denn sie sind Zeugnisse selbstorganisierter Geschichte von unten mit dem erklärten Ziel einer solidarischen und herrschaftsfreien Gesellschaft.

Auf WordPress wird der Blog nun fortgesetzt. Nach und nach wird der Großteil der „alten“ Beiträge wieder online gestellt. Nicht mehr enthalten sind veraltete Informationen von ASJ-Gruppengründungen (aus Mainz, Berlin und Köln), über die Initiative zum Aufbau einer Gewerkschaft der Freien Arbeiterinnen- und Arbeiter Union (FAU) in Stuttgart 2009 oder zu vergangenen Arbeitskämpfen. Nicht wieder online gestellt haben wir zudem die Informationen zur Trauerfeier des 2009 plötzlich verstorbenen Genossen Horst Stowasser. Sein Buch „Leben ohne Chef und Staat“ war für viele der ehemaligen Aktiven der ASJ ein wichtiger Baustein ihres Zuganges zum Anarchismus und wir können es noch heute wärmstens empfehlen.

Viel Freude und Erkenntnis nun mit den hier bereitgestellten Informationen. Allen um eine solidarische Gesellschaft Kämpfenden seien Kraft, Ausdauer und Erfolg gewünscht.